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Vorklinik: Semester n° 2 und 3

Vor etwa einem Jahr habe ich meinen Erfahrungsbericht zum ersten Semester veröffentlicht. Seitdem habe ich natürlich weiterstudiert, jedoch kam viel dazwischen und nun kommen die weiteren Berichte, wenn auch etwas verspätet 🙂

Im zweiten Semester ging es direkt mit der Anatomie der inneren Organe los. Im Präparierkurs zum ersten Mal ein Herz in der Hand zu halten war wirklich faszinierend. Während im Prometheus beispielsweise die Lunge einem als Organ mit prächtiger Größe präsentiert wurde, war man im Präpsaal ziemlich darüber erstaunt, wie kompakt die Organe in Wirklichkeit sind (natürlich individuell unterschiedlich) und darüber verwundert, wie es denn möglich sei, dass so viele Nerven, Gefäße, Lymphknoten, Organe und deren Häute auf so engem Raum miteinander harmonieren können. Im Gegensatz zur Anatomie des Bewegungsapparats, lernt man hier endlich etwas mehr über die Organsysteme und deren Funktionalität. Hierzu habe ich standardmäßig den Prometheus benutzt, da ich die Abbildungen sehrDSC_0425-min mag. Generell empfehle ich es mit vielen Bildern zu lernen, und wenn man Lust hat auch ruhig mal ein paar Zeichnungen anzulegen, das hat mir bei der räumlichen Vorstellung sehr geholfen. Die Prüfer stehen nämlich sehr auf Topografie, und ohne Bilder kann man diese kaum lernen. Für gute Zusammenfassungen empfehle ich auch Endspurt oder Medilearn. Für die Zugfahrten hatte ich immer die Smartmedix-Lernkarten dabei, die fand ich immer super zum wiederholen und Facts auswendiglernen. Ich habe mir prinzipiell zu jedem Thema eigene Lernzettel angelegt, ich gehöre da auch zu den Leuten, die beim Schreiben lernen.Diesen Teil der Anatomie empfand ich im nachhinein als sehr angenehm, man konnte sich einfach von Organsystem zu Organsystem durcharbeiten. Der histologische Teil  hingegen war sehr groß. Als Nachschlagwerk habe ich den Lüllmann-Rauch gerne benutzt, ansonsten stand uns von unserer Uni ein Histologieskript zur verfügung und die dazugehörige Website mit mikroskopischen Bildern.

Im zweiten und dritten Semester hatten wir Biochemie und Physiologie, jeweils mit Praktika und Seminaren. Die beiden Fächer sind neben der Anatomie die großen und teilweise auch gefürchteten Parts der Vorklinik. Sie sind quasi die Fortsetzund der Chemie und Physik, nur tausend mal spannender. Anfangs war mein Respekt vor ihnen auch groß, so viel Stoff und diesmal muss man es auch noch verstehen mit Formeln und allem drum und dran. Aber eigentlich ist genau das das coole, denn es ist kein stures Auswendiglernen und wenn man den Inhalt versteht kann man ihn gleichzeitig viel leichter Abrufen und anderen Menschen erklären. Zur Physiologie: Im Prinzip lernt man hier physikalische Vorgänge der Zellen, Gewebearten und Organe. Dies kann man in viele Themengebiete unterteilen: Herz- und Kreislauf, Niere und Wasserhaushalt, Verdauungstrakt (GIT), Thermoregulation, Leistungs-, Neuro-, Muskel- und Sinnesphysiologie (um DSC_0428-minmal die wichtigsten genannt zu haben). Ich habe mich irgendwie immer geweigert hierfür ein richtiges Lehrbuch zu benutzen, da diese mich mit ihren 1000 Seiten eher eingeschüchtert haben. An unserer Uni waren der Silbernagl und der Schmidt-Lang Standard. Diese sind sicherlich als Nachschlagwerk gut geeignet, wenn mal das Kurzlehrbuch oder das Skript nicht ausreicht. Bei uns gab es auch ein sogenanntes Studentenskript, eine gute Zusammenfassung mit allem, was unsere Profs hören wollten. Wir mussten nämlich alle zwei Wochen für die Seminare 5-6 Referate vorbereiten und man konnte sich entweder freiwillig melden oder es wurden Namen gezogen. Ansonsten kann ich mal wieder Endspurt empfehlen. Für die Klausur habe ich mir dann die Smartmedix-Karten zum wiederholen gekauft. Ansonsten hatte ich meine Notizen für die Seminare und bei manchen komplizierteren Themen half im Notfall sogar YouTube. Am Ende konnte ich mich mit der Physiologie sehr gut anfreunden, man hat endlich verstanden wie der Körper funktioniert. Außerdem ist das Physiologiepraktikum auch ganz gut, um eigene Pathologien aufzudecken, bei mir war es das Auge-Praktikum, indem ich gemerkt habe, dass ich durch das Studium ziemlich kurzsichtig geworden bin.

Einen noch tieferen Einblick in die Vorgänge unseres Körpers kann die Biochemie liefern. Hier lernt man so ziemlich alles, was in den Zellen so an Stoffwechselwegen abläuft. Diesen sehr tiefen und logischen Einblick finde ich immer wieder auf’s neue faszinierDSC_0427-minend. Da kann man sich echt dumm und dämlich lernen, angefangen beim Citratzyklus, den man eventuell schon aus der Schulzeit kennt, bis hin zum Harnstoffzyklus ist alles dabei. An unserer Uni wurde viel Wert auf den Müller-Esterl gelegt, dessen Inhalte auch bei mündlichen Testaten gerne abgefragt wurden. Ich kam nicht immer mit dem Schinken klar, weshalb ich hier auch oft auf das Thieme Kurzlehrbuch zurückgegriffen habe. Zum wiederholen für die Klausur fand ich Medilearn sehr gut und auch die Smartmedix-Lernkarten. Generell hat es mir immer geholfen, die vielen Stoffwechselwege mehrmals aufzuzeichnen, das muss nicht mal schön aussehen, hilft aber ungemein. Auch hier gilt: nicht von der riesigen Stoffmenge einschüchtern lassen, irgendwann hat man da den Dreh raus und dann macht es sogar Spaß. Und was man spätestens im Biochemiepraktikum lernt ist das Pipettieren 😀

Was jetzt noch fehlt ist die Neuro- und Kopf-/Halsanatomie. Der mit Abstand komplexeste und größte Teil der Anatomie. Ich hatte diesen Kurs im 3. Semester parallel zur Neurophysiologie und einem Wahlpflichtfach (das wohl paradoxeste Wort aller Zeiten). Mein Fach Neurochirurgie passte hier ziemlich gut rein, auch wenn es ziemlich stressig war alle drei Sachen unter einen Hut zu bringen. Hier durfte man also im Präpkurs zum ersten Mal ein Gehirn in der Hand halten. Nach einigen Tagen wurde das Gerhin dann geteilt, zuerst im sogenannten Mediosagittalschnitt (quasi in der Mitte durch) und anschließend noch in Frontal- und Horizontalschnitten. Wir hatten also knapp 4 Wochen Zeit, um diesen großen Stoffbatzen zu lernen. Hier wurdDSC_0430-mine das Neuroanatomiebuch Trepel sehr geschätzt, wobei ich hier vor allem die Hirnnerven sehr gut erklärt fand. Auch der Prometheus durfte bei mir nicht fehlen, sowie auch Endspurt und Smartmedix. Was ich in der Neuroanatomie immer kompliziert fand, ist die räumliche Vorstellung aller Strukturen zueinander. Man lernt nämlich Großhirn, Zwischenhirn, Hirnstamm, Kleinhirn, Ventrikelsystem,  etc. jeweils als einzelne Lerneinheiten und ich hatte dann Schwierigkeiten in meinem eigenen Gehirn alles zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Ich habe quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen. Hierfür habe ich eine Website als hilfreich empfunden, die einem das Gehirn als 3D-Modell darstellt. Für mich war dieser Anatomieteil der faszinierendste und gleichzeitig der anspruchsvollste. Anfangs war ich durch diese Komplexität verunsichert, aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto einfacher und schöner wurde es. Für die tausend Schädeldurchtrittsstellen ist es hilfreich sich diese am Schädelmodell anzuschauen. Aber auch Prometheus hat hier gute Abbildungen und mit ein paar Merkhilfen ist auch das machbar.

Das hier sind die tollen Facetten der Vorklinik. Jedes mal auf’s neue dieses Gefühl der Faszination und gleichzeitig der Grund, wieso man noch um ein Uhr morgens am Schreibtisch sitzt und sich das alles antut.

 

 

Buchrezension: Bachelor of Time

So ihr Lieben, es ist Zeit für eine Buchrezension. Denn ich wurde von Studienscheiss gefragt, ob ich nicht Lust hätte ihr Buch „Bachelor of Time – Zeitmanagement im Studium“ zu lesen und zu rezensieren. Nach wenigen Tagen war das Buch dann schon im Briefkasten und ich konnte beginnen es zu lesen. Kurz zum Autor selbst: Tim Reichel arbeitet u.a. als Fachstudienberater und coacht dabei Studenten, weswegen er über das Studentenleben und dessen Strapazen sehr gut bescheid weiß. Er gründete 2014 die Plattform Studienscheiss und betreibt auch seinen eigenen Blog, wo man viele nützliche Tipps für Studenten findet.

Zur Aufmachung des Buches: Es ist ein hochwertiges Hardcover, welches schlicht gestaltet ist, mit wenig Schnickschnack und Ablenkung, also auch adäquat zur Intention des Autors: weniger Herumtrödeln, ran an die Arbeit und losgeht’s: In knapp 140 Seiten wird man in die Welt des strategischen Planens und Organisierens eingeführt.

Also nun zum Inhalt: Das Buch ist in 6 Kapitel/Semester und einem Bonuskapitel aufgeteilt. Im ersten Semester lernt man, wie man sich Ziele setzt. Hierzu greift der Autor u.a. auf die SMART-Methode zurück, welche besagt, dass die festgelegten Ziele immer spezifisch, messbar, angemessen, realistisch und terminiert sein sollten.  Was aber ebenso wichtig ist, seien die Prioritäten, die man sich setzen müsse. Denn nur, wenn man seine Ziele und Aufgaben nach Priorität ordne, schafft man, laut Autor, die Klausuren oder Studienarbeiten am Ende des Semesters. Hier erläutert Tim Reichel einige sehr interessante Ansätze, zum Beispiel die „eat the frog“-Mehtode von Brian Tracy. Dies bedeutet im Prinzip, dass man immer mit der für einen als am schwierigsten empfundene  Aufgabe am Tag beginnen soll. Außerdem lernt man in diesem 2. Kapitel, wie man seine to-do Liste nach der ABC-Methode ordnen kann. Auch das Planen bekommt hier ein eigenes Kapitel, in dem man lernt, dass man langfristige Pläne schreiben soll, um diese dann bis zum Tagesplan herunterzubrechen. Die tägliche to-do-Liste kann man dann hier noch optimieren, indem man die Dauer der einzelnen Aktivitäten schätzt, und bei zu langen Listen solle man auch lernen unwichtiges einfach zu streichen. Im 4. Semester lernt man dann, wie man endlich mit dem Lernen anfängt. Für richtige Prokrastinierer, werden einige Methoden vorgestellt, wie man sich selbst austricksen kann, wie z.B. die First-Brick-Methode. Anschließend wird einem der Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität vor Augen geführt. Ersteres bedeutet nämlich die Dinge richtig zu tun und Letzteres, die richtigen Dinge zu tun, ja da kann man schon ein Mal durcheinander kommen. Hier präsentiert der Autor die Pomodoro-Technik:  Man soll sich eine Stoppuhr auf 25 Minuten stellen. In dieser Zeit arbeitet man fokussiert an seiner Aufgabe, danach soll man sich 5 Minuten Pause gönnen. Nach drei Durchläufen soll man dann 30 Minuten pausieren. Dies sei eine sehr produktive Methode, da man sich dadurch schrittweise kleine Deadlines setzt. Im letzten Semester lernt man, wie man sich neue Gewohnheiten antrainiert. Der Autor legt hier Wert darauf, dass man es Schritt für Schritt angeht und sich nicht gleich 5 große Gewohnheiten auf ein Mal eintrichtert, was am Ende sowieso nichts bringe. Es geht ihm viel mehr darum kleine Gewohnheiten in schon vorhandene Routinen einzufädeln. Im Bonuskapitel stehen dann noch 30 motivierende Sätze, falls man mal doch eine Motivationskrise hat. Am Ende eines jeden Kapitels/Semesters stehen außerdem noch Aufgaben, die man erledigen soll, um endlich durchzustarten und weitere Lektüretipps zu den besprochenen Themen.

Meine Meinung: Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei diesem Buch keine hohen Erwartungen hatte, da ich dachte, dass hier eher allgemeine Weisheiten, die man sowieso schon kennt, nochmal neu aufgewärmt worden sind. Beim Lesen war ich dann überrascht, dass man doch viel neues dazu lernt. Ich studiere Medizin und in diesem Studiengang wird man quasi gezwungen sich selbst ordentlich zu organisieren, weil man sonst in der riesigen Stoffmenge einfach eiskalt untergehen würde. Dies trifft sicher auch auf alle anderen Studiengänge zu. Hier ist Organisation nun ein Mal der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb dachte ich, ich wäre schon ganz gut darin, meine Termine und Aufgaben effektiv zu planen. Aber man lernt dann doch immer dazu, vor allem zum Thema to-do-Listen schreiben (ich sag‘ nur unrealistische to-do-Listen, die kennt jeder und die demotivieren nur). Ich habe mir dann direkt beim Lesen immer mal die Sachen markiert, die ich im nächsten Semester mal Testen möchte. Generell fand ich das Buch sehr motivierend, auch wenn ich ein Mensch bin, den man recht schnell motivieren oder faszinieren kann. Da bekommt man direkt Lust loszulegen und einen neuen Planer anzufangen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, sodass man das Buch schnell durchgelesen hat und dann direkt starten kann. Nur „doof“, dass ich im Moment doch tatsächlich mal so richtig frei habe. Aber so kann ich mich schon auf das kommende klinische Semester freuen 🙂 Ich kann das Buch also weiterempfehlen, wenn man entweder gar keine Ahnung hat wie man sein Studium organisieren soll oder wenn man, so wie ich, denkt dass man es ganz gut kann aber doch das ein oder andere noch optimieren möchte. Der Preis von fast 20€ ist vielleicht etwas happig, aber man kann auch auf die günstige E-book-Variante zurückgreifen. Ich bin auch schon neugierig auf die anderen Bücher und werde mich mal ein wenig mehr mit diesem Thema beschäftigen, solange ich noch Zeit dafür habe. Ich hoffe ich konnte euch einen guten Einblick in „Bachelor of Time“ geben!

Bis bald 🙂

P.S.: Das Buch wurde mir netterweise kostenlos zur Verfügung gestellt und ich habe dann hier und auf Instagram darüber geschrieben.

 

 

Erfahrungsbericht Medizinstudium Semester n°1

Hallöchen ihr Lieben, fast ein Jahr ist es her, seit dem ich das letzte Mal hier einen kleinen Text verfasst habe. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch auf einen Medizinstudienplatz gewartet, damals hatte ich nicht erwartet in demselben Jahr noch genommen zu werden, aber wie das Glück es so wollte, studiere ich seit fast einem Jahr schon Humanmedizin. Die Zeit verging sehr schnell, es war viel zu tun, weswegen ich erst jetzt ein paar Worte zu den beiden letzten Semestern hier verfasse. Da aber das zweite noch nicht 100%ig abgeschlossen ist (es fehlt eine Biochemieklausur, die ich kurz vor Anfang des 3. Semesters schreibe), gibt es erst mal meine Erfahrungen zum ersten Semester.

Von vornherein schon mal der Hinweis: Dies werden subjektive Erfahrungen und Eindrücke sein, mit der Hoffnung dem ein oder anderen einen kleinen Einblick zu geben.

Hürde n°1: Anatomie Bewegungsapparat

Das Gefühl, zum ersten Mal in einer Vorlesung zu sitzen war ungewohnt. Eine große provisorische Halle, auch liebevoll von meinen Kommilitonen als „Hörstall“ bezeichnet, stickige Luft und instant Kaffee aus dem Automaten für 70 Cent. Ein Anatomiedozent, der wohl auch  während seiner Vorlesungen den weißen Kittel gerne trägt und mit Fremdworten umher schmeißt, die man verzweifelt in Lautschrift mitkritzelt, weil diese nicht auf den wundervollen Vorlesungsfolien stehen. Wie schafft es meine nette Kommilitonin trotzdem so ordentlich und strukturiert mitzuschreiben, während es auf meinem Collegeblock Seite für Seite wie ein Schlachtfeld aussieht… 

Dies fasst die erste Woche dieser neuen Welt ganz gut zusammen. Es ging los mit Histologie, den Grundgewebearten: Epithel-, Binde- und Stützgewebe, Muskel- und Nervengewebe.DSC_0315 Das Tempo war von Anfang an sehr schnell, wir hatten bis zu Klausur schließlich nur 6 Wochen Zeit, alles über den Bewegungsapparat zu lernen. Schnell lief meine Motivation jedes Mal in der Vorlesung zu erscheinen gegen Null. Ich merkte schnell, dass mir dieser Frontalunterricht sehr wenig gebra cht hat. Jedoch war es trotzdem sehr schwer, einen eigenen Lernrhythmus zu finden. Viele Leute, auch ich, kamen direkt aus der Schule, und waren es nun ein Mal gewohnt, in einem Kursraum zu sitzen, einem Lehrer beim reden zuzuhören und das wichtige zu notieren. Vorlesungen sind da aber ein anderes Kaliber, manche Studenten kommen gut mit dieser Lernweise klar, andere, so auch ich, eher weniger. Jedoch ist es lustig mit anzusehen, wie mich jedes Mal zu Semesteranfang die Motivation packt und ich voller Hoffnung in den ersten Wochen in den Vorlesungen sitze, während ich auf den Wow-Effekt warte. Dieser kam leider noch nicht, vielleicht dann im 3. Semester?

Aber zurück zum Lernstoff: Was natürlich das Highlight war, ist und bleibt in der Vorklinik, der Präparierkurs, oder kurz ‚Präpkurs‘. Unsere Tischdozenten wussten es uns langsam daran zu gewöhnen und uns unsere Angst und Aufregung davor zu nehmen. Dies ging auch relativ schnell, und schwupdiwups war der Formaldehyd-Geruch nicht mehr fremd, der weiße Kittel wurde gern getragen und  das Skalpell und die Pinzette lagen locker in der Hand. Unsere Hiwis hatten auch ihr eigenes Programm für uns: Sie übten mit uns und versuchten uns den Stoff an dem Körperspender und Skelett zu veranschaulichen, was, meiner Meinung nach, hundertmal effektiver als eine Vorlesung war. Ich möchte hiermit jetzt nicht sagen, dass Vorlesungen nichts bringen, das ist alles aus meiner subjektiven Sicht, außerdem ist dies auch Dozent- bzw. universitätsabhängig. Schließlich habe ich für mich selbst entschlossen, dass ich wohl doch der zu-Hause-Lerner bin. Weder die paar Stunden Vorlesung, noch das Herumsitzen in der Bibliothek hatten es in sich. Man muss also die ersten paar Wochen nach seinem eigenen Lerntyp forschen. Auch wenn ich im selben Jahr mein Abi gemacht hatte, war das Lernen an der Uni eine ganz andere Nummer, weswegen auch ich mich neu ordnen musste. Wenn man dies dann endlich begriffen hat, muss man sich eigentlich nur noch die richtigen Bücher anschaffen und dann kann es auch schon so richtig los gehen. DSC_0322 Wie du sicher merken wirst, gibt es eine große Auswahl an Anatomieatlanten und Lehrbüchern. Es ist also sehr empfehlenswert, sich die Bücher vorher in aller Ruhe in einer Buchhandlung oder Bibliothek anzuschauen, um das richtige Buch zu finden. Hierbei geht es darum, dass man mit der Sprache zurecht kommt und auch eigene Geschmäcker mit einbezieht. An den meisten Unis gibt es auch oft Bücherflohmärkte, da spart man viel Geld und es lohnt sich, nicht jedes Buch neu zu kaufen, denn in diesem Studium wird sich mit der Zeit ein riesen Haufen an Büchern ansammeln. Meine persönliche Empfehlung: die Promethen in Kombination mit Endspurt und/oder MediLearn. Der Prometheus hat tolle Bilder und gute Texte, während die beiden Skripte einen groben Überblick und gute Zusammenfassungen bieten, damit man nicht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, denn das kann ganz schnell passieren. Wem das nicht reicht und mehr Text mag, kann sich auch durch die Vielfalt an dicken Lehrbüchern schlängeln. Die Duale Reihe bietet sich hier auch ganz gut an, wie ich finde. Wie man dann mit den Büchern arbeitet, ist einem selbst überlassen. Ich schreibe immer Lernzettel und lerne diese dann auswendig. Außerdem gibt es auch Lernkarten (z.B. die Prometheus-Lernkarten oder von Smartmedix), die perfekt für unterwegs oder ganz entspannt im Bett sind. Manch andere können auch nur mit selbstgeschriebenen Karteikarten lernen oder auch, indem man allein mit dem Buch lernt, welches dann markiert und beschrieben und beklebt wird (für mich persönlich keine gute Alternative, es würde mir im Herzen wehtun in  meinem Prometheus hinein zu kritzeln…). Noch ein Tipp: Mit einem Kommilitonen die Themen üben, indem man sich gegenseitig abfragt. So bleibt vieles ganz einfach hängen und es macht sogar Spaß. Und wenn ihr an eurer Uni auch die Möglichkeit habt, alte Klausuren zu üben, dann ist dies die beste Methode effektiv den Stoff zu lernen.

Hürde n°2: Chemie

Chemie… Allein dieses Wort ist haarsträubend. Ich hatte in der Oberstufe Chemie und Physik direkt abgewählt, da ich damals nicht davon ausging, es irgendwann nochmal zu gebrauchen, da ich mit diesen Fächern ohnehin nichts mehr zu tun haben wollte. Tja, falsch gedacht, liebes Vergangenheits-Ich.  Somit musste ich quasi von Null beginnen. Ich fing an, parallel zum Chemiepraktikum, die Chemievorlesungsfolien zusammenzufassen. Ich übte alle Altklausuren, die wir zur Verfügung hatten, kaufte mir sogar die ‚Chemie für Dummies‘ Bücher, aber so richtig fruchten wollte es nicht.DSC_0330 Das einzige was am Ende half, war es gezielt bestimmte Aufgabentypen zu üben, um eine Art Muster in diesen Aufgaben zu erkennen, denn allein das Theorielernen half bei mir nicht. Es ist also sehr empfehlenswert Chemie in der Oberstufe zu behalten. Auch wenn man es abgewählt hat ist es machbar, bloß eben mit viel mehr Stress und Lernerei. Viele meiner Kommilitonen nahmen sich auch Nachhilfe, was ebenfalls eine Möglichkeit ist. Aber Bücher und Google reichen in der Regel auch, um sich den Stoff anzueignen. Ein Klassiker unter den Chemie-für-Mediziner-Bücher ist der Zeeck. Ich habe mir den auf dem Flohmarkt gekauft, kann ihn aber nicht sehr empfehlen. Er ist zwar sehr ausführlich und als Nachschlagwerk sehr zu empfehlen, aber schaut ihn euch erst genauer an, bevor ihr einen Fehlkauf macht. Was mir sehr half war das Endspurt Skript und auf jeden Fall Medilearn, da diese Skripte sehr einfach geschrieben sind und deshalb für Chemie-Nullchecker wie mich eine echte Rettung waren.

Disziplin n°3: Zellbiologie / Bio1

Bei uns wurde die Biologie im 1. Und 2. Semester in Zellbiologie und Mikrobiologie unterteilt. „Disziplin“ statt „Hürde“, da es in der Tat, wie ich finde, nach Terminologie (kurz Termi), das entspannteste Fach in der Vorklinik ist. Vor allem dann, wenn man bis zum Abitur Biologie in der Schule hatte. In Bio1 ging es also rund um die Zelle mit all ihren Organellen und Zyklen.DSC_0333 Begleitend zu den Vorlesungen gab es hier auch ein Praktikum, das wir alle 2 Wochen besuchen mussten. Da haben wir dann eigentlich die meiste Zeit mikroskopiert und gezeichnet , was recht angenehm war. Hier gab es am Ende des Praktikums immer mündliche Testate. Jeder Student kam insgesamt zwei Mal dran, womit man am Ende maximal 2 Bonuspunkte sammeln konnte, welche mit zur Abschlussklausur gezählt haben. Meiner Meinung nach bedarf es hierfür keines richtigen Lehrbuchs, da der Stoff schnell begreiflich ist, da reichen Vorlesungsfolien und Endspurt völlig aus, um die Klausur und das Praktikum erfolgreich zu bestehen. Allerdings hängt das natürlich von eurem biologischen Grundverständnis und Vorwissen ab.

Hürde n°4: Physik

Wahrscheinlich ist Physik mit Chemie zusammen, das Fach vor dem sich die Meisten fürchten. Wie hoch das Niveau ist, hängt natürlich (so wie in jedem Fach) von der Uni ab. Bei uns gab es in den ersten Semesterferien  das Physikpraktikum. Damit hatte ich schon mal keine Ferien und es ging weiter mit dem Lernen. Zwei Mal die Woche durften wir also physikalische Versuche machen, welche natürlich so gut wie möglich auf die Medizin bezogen waren. Als Beispiel hatten wir Röntgen, Augenmodell und Wärmelehre. Wie gut uns dieses Praktikum auf unsere Tätigkeit als Ärzte und Ärztinnen vorbereitet hat, werden wir ja in ca. 5-6 Jahren sehen 😀 Leider mussten wir uns jedes Mal auch theoretisches Wissen zu den jeweiligen Versuchstagen aneignen, denn es gab wieder mündliche Testate. Hier konnte man ebenfalls Punkte für die Abschlussklausur sammeln. Im Großen und Ganzen war das aber relativ gut zu schaffen, allerdings war es auch hier wieder sehr prüferabhängig, also bedingt auch Glückssache (aber das ist leider überall so…). DSC_0327Die Klausur bestand aus 25 Aufgaben. Wir durften weder Taschenrechner, noch eine Formelsammlung nutzen, weswegen hier Üben, Üben und Üben angesagt war. Das war letzten Endes auch das einzige, das geholfen hat. Es ist auf jeden Fall sinnvoll sich am Anfang erst ein Mal einen theoretischen Überblick zu schaffen, aber das was dann am Ende zählt sind Formeln und Rechnen. Da dies aber alles Übungssache ist, war dies meiner Meinung nach viel besser zu schaffen als Chemie, ist aber natürlich Typsache. Wenn man sich mit Mathe anfreunden kann und logische Vorgänge und Zusammenhänge nicht sofort abweist, kann man sich am Ende sehr gut mit der Physik anfreunden, was auch für das spätere Fach Physiologie sehr von Vorteil ist. Manche physikalischen Zusammenhänge bleiben einem dann auch vielleicht für die Zukunft im Kopf hängen, was dann das Verstehen von vielen anderen Vorgängen im Körper viel einfacher macht (zum Beispiel die Tatsache, dass Gase und Flüssigkeiten von Gebieten mit höherem Druck zu druckärmeren Gebieten diffundieren. Das macht viele Vorgänge (siehe Körperkreislauf) sehr viel logischer!). Auch hier fand ich Endspurt klasse. Medilearn war auch nicht schlecht, wenn man gerne noch physikumsorientierte Aufgaben üben möchte, kann ich die Schwarze Reihe sehr empfehlen, da hier auch sehr gut erklärte Lösungswege sind. Für Physik gibt es allgemein eine große Vielfalt an Lehrbüchern. Schaut euch hierfür an, was in eurer Uni empfohlen wird und leiht euch Bücher in der Bibliothek aus. Bei uns hatten die meisten den Trautwein, der, meiner Meinung nach, nicht schlecht ist.

Disziplin n°5: Terminologie

Ehm ja…dieses Fach war bei uns zu Semesteranfang parallel zu Anatomie. Man kann sich also schon denken, dass kaum Zeit zum Lateinlernen übrig blieb. Wir bekamen, wie in der Schule, Arbeitsblätter ausgeteilt und hat dann im wöchentlichen Kurs, der so ca. 5 Mal war, zusammen das Deklinieren geübt. Ich und viele andere hatten kein Latein in der Schule, was aber überhaupt kein Problem war, da es für solche Spezialisten ja diesen Kurs gab. Genau wie meine Beschreibung hierzu, war der Kurs kurz und knapp, wir lernten das essenzielle zum Deklinieren, um die vielen lateinischen Fachwörter zu verstehen.

 

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Schließlich kann ich sagen, dass es trotz der riesigen Stoffmenge, von der man anfangs erschlagen wird, trotzdem machbar ist. Ich persönlich brauche viel Organisation und Planung, um am Ende und kurz vor der Klausur sagen zu können „Das schaffe ich!“. Es gab auch oft Momente in denen man sich denkt „Wozu das ganze?  Ich will endlich Ferien, keine Lust mehr, meh meh meh“. Aber das gehört wohl oder übel leider dazu. Am Ende merkt man aber immer wieder, dass sich das Lernen lohnt, irgendwann geht es nicht mehr ohne, es wird zur Routine und gehört einfach dazu, so wie der Kaffee zum Frühstück oder das Popcorn im Kino. Das heißt aber keineswegs, dass man dann nicht mehr faul herumliegen kann, manchmal tut das auch sehr gut. Und manchmal, so wie jetzt, lasse ich das Ganze gerne Revue passieren, indem ich euch hier berichte. Demnächst wird auch mein Erfahrungsbericht zum zweiten Semester folgen 🙂

Viele Grüße an Euch!

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Diabetes, böse Kohlenhydrate und Insulin ?

Immer diese bösen Carb’s…  Der eine mag es eben low und der andere high carb. Aber wo wir uns alle einig sein können: Ohne Zucker wären wir wohl nicht. Denn tatsächlich machen die Kohlenhydrate als Hauptprodukt der Photosynthese (siehe Biounterricht Stoffwechselphysiologie 11. Klasse) den größten Teil der Biomasse aus!

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Dies ist eine der Schreibweisen (meiner Meinung nach die coolste) für die einfachste Form der Kohlenhydrate: Die Glucose (C6H12O6) , auch bekannt als Traubenzucker. Und wenn man etwas Fantasie hat, sieht man darin vielleicht sogar ein kleines dickes Männchen 🙂

Somit ist Glucose eine sehr wichtige Energiequelle für unseren Körper, vor allem für unser Gehirn, da es auf die Energiegewinnung durch Glucose angewiesen ist, während die meisten Körperzellen eher Energie vom Fettstoffwechsel beziehen (Daher auch immer die Dextro-Energy Werbung). Aber wie gelangen die Glucoseteilchen überhaupt in die Körperzellen?

In diesem Zusammenhang gibt es einen Regelkreis, der die Glucosekonzentration im Blut reguliert, wobei hier zwei Gegenspieler eine sehr große Rolle haben: Die Hormone Insulin (blutzuckersenkend) und Glucagon (blutzuckererhöhend). Nach der kohlenhydratreichen Nahrungsaufnahme (z.B. mit Nudeln, Kartoffeln, Reis, Obst, Schokolade, Pizza und so weiter) wird der Blutzuckerspiegel erhöht, woraufhin Insulin in das  Blut ausgeschüttet wird. Blutzuckersenkend wirkt Insulin, indem der Glucose durch das sogenannte  Schlüssel-Schloss-Prinzip zwischen Insulin und Insulin-Rezeptor den Eintritt in das Zellinnere ermöglicht wird. Bindet nun Insulin an das Membranprotein, werden eine Reihe von Phosphorylierungsreaktionen ausgelöst, welche wiederum die Glucose-Aufnahme und -Speicherung in Leber- und Musekelzellen begünstigen.

Ein eher blöder Nebeneffekt ist, dass ständig erhöhte Insulin-Konzentrationen im Blut den Fettabbau hemmen. Vor allem dann, wenn man sich hauptsächlich von einfachen Kohlenhydraten, wie Weißmehl und Zucker, ernährt. Diese bringen dem Körper zwar schnell Energie, kurbeln den Blutzuckerspiegel auf Hochtouren an, jedoch ohne wirklichen Sättigungswert, da der Blutzuckerspiegel genau so schnell wieder absinkt, sobald die Insulinhormone ihre Aufgabe erledigen.

Die wohl bekannteste Zivilisationskrankheit in diesem Zusammenhang ist Diabetes. Hier unterscheidet man zwischen zwei Arten: Diabetes Typ I und II.
Diabetes Typ I ist gekennzeichnet durch einen Gendefekt, wodurch die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin herstellen kann, weswegen wiederum die Glucose nicht in die Körperzellen weitergeleitet werden kann. Somit bleibt der Blutzuckerspiegel konstant hoch, was sehr schlecht ist, da die Zellen ohne ausreichend Energie ihre Arbeit nicht ausführen können. Außerdem kommt es im schlimmsten Fall zur Übersäuerung des Bluts und dies kann zum Tod führen.
Diabetes Typ II ist geprägt durch eine Insulinresistenz der Zellen, da hier die Insulinrezeptoren nicht mehr auf das Substrat reagieren, weswegen die Bauchspeicheldrüse dies durch eine erhöhte Insulinproduktion zu kompensieren versucht, was jedoch lediglich zur Überforderung führt. Leider sind die Ursachen dieser Krankheit noch nicht 100 prozentig klar, jedoch geht man davon aus, dass eine ‚falsche‘ Ernährungsweise und Bewegungsmangel die Hauptfaktoren sind.

Somit kommt es also unter anderem drauf an welche Sorte Kohlenhydrate du wählst. Klar macht es nichts sich mal ein Stück Schokolade zu gönnen, aber wenn man dazu tendiert hauptsächlich Zucker und Weißmehl zu essen und lieber die Rolltreppe nimmt, sollte man sich nicht wundern, wieso man mit 50 einen kugelrunden Bauch hat und Prädiabetiker ist…

Also ran an die Banane!

 

 

 

 

 

Dopaminjunkie

Schon gewusst? Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, also grob gesagt ein  Botenstoff, welcher Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle überbringen kann. Was so toll daran ist? Es kann für ein Gefühl von Wohlbefinden sorgen. Vor allem dann, wenn man seinen Körper mit natürlichen  Nahrungsmitteln verwöhnt (zum Beispiel Bananen), weswegen Junkfood eher kontraproduktiv ist, da diese Nahrung die Dopamin-Produktion hemmt. Dazu gehören leider auch die leckere, mit Zusatzstoffen angereicherte Tiefkühlkost oder der mehr oder weniger frische Burger vom Fastfood-Riesen. Bewegung in Form von Joggen oder Bettsport am Abend tragen auch sehr dazu bei, dass die Synthese des geliebten Botenstoffs angekurbelt wird! Doch pass auf. Dopamin kann süchtig machen und sollte deshalb in Maßen genossen werden. Also halte dich von Opiatähnlichen Stoffen fern und belasse deinen Körper in einem chemischen Gleichgewicht.

Und damit stelle ich meinen Blog vor: Vielleicht hast du herauslesen können, dass es hier des Öfteren um Medizin und Ernährung gehen wird. Erst vor kurzem habe ich mein Abitur gemacht und warte nun, wie tausende von anderen Menschen auch, gespannt auf einen Platz für das Medizinstudium. Während meiner Wartesemester werde ich hoffentlich viele interessante Erfahrungen in Pflegepraktika sammeln, die ich mit dir teilen möchte. Außerdem ist Ernährung in der heutigen Zeit ein heiß diskutiertes Thema, sodass auch ich meinen Senf bezüglich Junk- , Superfood und dem ein oder anderen Rezept dazugeben werde.

Liebe Grüße,

Dopaminjunkie 🙂